Einschaltstrom bei LED-Netzteilen

Schaltungen, Widerstände, Spannung, Strom, ...

Moderator: T.Hoffmann

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Theo
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Do, 11.10.12, 09:20

Hallo,
bin gerade mal im Forum unterwegs und lese plötzlich von den hohen Einschaltströmen bei den LED-Treibern/Netzteilen. Und das, nachdem ich bei mir schon mehrere verbaut habe.
Ich meine die "Inrush current" in den Datenblättern ( habe mich dafür nie interessiert).
Mir scheint das aber schon wichtig, so dass ich hier mal fragen möchte, warum darauf deutlicher hingewiesen wird.
Zum Beispiel im Artikel http://www.leds.de/LED-Zubehoer/Strom-u ... directed=1. Hier wird beschrieben, dass das Gerät "Schutz vor Überspannung, Kurzschluss, Überlastung und Überhitzung" bietet, aber nicht auf den hohen Einschaltstrom hingewiesen, der für Schalter oder Relais zum Abbrennen der Kontakte führen kann. Das findet man nur im Datenblatt und da nicht alle Experten sind, übersieht man das schnell.

Warum ist denn in den Netzteilen kein Einschaltstrombegrenzer eingebaut?

Könnte nicht einer der Experten das hier mal so darstellen, wie man das ggf. durch ein "konfektioniertes" Vorschaltteil verhindern kann.

Theo
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Achim H
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Do, 11.10.12, 09:57

Warum ist denn in den Netzteilen kein Einschaltstrombegrenzer eingebaut?
Zum Einen, weil das dafür erforderliche Bauteil (NTC) eine ungewisse Lebenserwartung hat,
zum Anderen könnte ein Einschaltstrombegrenzer (PDF, 2 Seiten, deutsch) bereits im Sicherungskasten eingebaut sein.
Könnte nicht einer der Experten das hier mal so darstellen, wie man das ggf. durch ein "konfektioniertes" Vorschaltteil verhindern kann.
Schau mal bei Wikipedia nach Sanftanlauf. Dort findest Du auch dieses Bild:
Bild
Das Relais könnte auch sekundär angetrieben werden, geschaltet (gebrückt) wird aber nach wie vor der NTC in der Phase L1.

Das Relais ist nicht zwingend nötig. Ein NTC (15 Ohm = 16 Ampere, 30 Ohm = 8A) alleine reicht auch.
Aufpassen: der NTC muss für die Netzspannung + 10% Toleranz ausgelegt sein. Ein 245V Typ ist zu gering, besser ist ein 265V Typ.
Loong

Do, 11.10.12, 10:46

Theo hat geschrieben:Warum ist denn in den Netzteilen kein Einschaltstrombegrenzer eingebaut?
Weil das im Allgemeinen (d. h. bei normgerechter, intakter Elektroinstallation) unnötig ist. Der Kontaktabbrand bei Relais und Schaltern ist übrigens gewollt. Wäre der nicht, würde der Übergangswiderstand im Laufe der Lebenszeit immer weiter steigen. Relais, Schalter, alle mechanischen Schalteinrichtungen sind Verschleißteile, die irgendwann mal ausgetauscht werden müssen.
Theo
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Do, 11.10.12, 14:00

Danke erst mal für die Erläuterungen, möchte aber noch mal wegen "normgerechter/intakter" Elt.inst. nachfragen. Vor allem, weil ich an 2 Orten diese Netzteile verbaut habe:
1. in meiner Wohnung, wo das Licht per Taste über ein installiertes Schaltrelais geschalten wird. Zusätzlich habe ich vor die Lampe noch einen Bewegungsschalter verbaut. Einen Strombegrenzer kann ich im Schaltkasten nicht erkennen.
2. in meinem Wochenendhaus. Das ist aus Holz und gerade hier bin ich mir jetzt unsicher, ob ich das so lassen kann. Installiert ist alles vom Elektriker, bis auf den Einbau des Netzteils (IP67) zwischen Schalter und Lampe. Bisher habe ich aber keine Funken im Schalter bemerkt.
Eure Beiträge verstehe ich so, dass ein solcher Strombegrenzer nicht zwingend erforderlich ist, aber der Verschleiß des Schalters bzw. Relais beobachtet werden muß.

Theo
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Achim H
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Do, 11.10.12, 14:17

Bei mir im Wohnzimmer leuchtet eine selbstgebaute Led-Lampe. Das Schaltnetzteil hat einen Einschaltstoßstrom von 60A. Der Lichtschalter hat beim Einschalten deutlich hörbar geknistert. Seit der NTC drin ist (15 Ohm = 16A), knistert es nicht mehr. Zumindest mir gibt es ein sichereres Gefühl als ohne NTC. Ob es erforderlich gewesen wäre, ist mir hierbei egal. Bei 16 Ampere hat man immer noch Kontaktabbrand. Sichtbare Funken wird man in den 0,01 Sekunden in denen das SNT 60 Ampere saugt, wahrscheinlich nicht sehen.
Theo
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Do, 11.10.12, 14:51

Da werde ich den Winter mal dazu nutzen, um für den Garten was geeignetes zu basteln.
Danke für den "Knister"link.

Theo
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Sailor
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Do, 11.10.12, 14:51

Viele Verbraucher haben einen erhöhten Einschaltstrom, selbst die gute alte Glühbirne zieht im Einschaltmoment etwas mehr als das zehnfache des Nennstromes. Bei den Kleingeräten wird das locker vom Hausnetz und den Schaltern/Relais verkraftet. Kritisch wird es erst, wenn bei schon hoher Auslastung des Hausnetzes noch ein Großverbraucher zugeschaltet wird, z.B. ein Staubsauger. Dann kann es sein, dass der Leitungsschutzschalter (die Sicherung) auslöst, obwohl der Nennstrom der Verbraucher kleiner ist als der Abschaltstrom der Sicherung.

Die Funkenbildung in Schaltern bzw. Relais ist unkritisch, solange keine zündbaren Gase im Bereich der Funkenstrecke sein können. Aber das wird ein anderes Thema.

Für Deine Anwendung ist keine weitere Maßnahme zur Begrenzung des Einschaltstromes erforderlich.
Theo
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Do, 11.10.12, 14:56

Das beruhigt mich doch wesentlich. Ungeachtet dessen werde ich den Garten mal in Angriff nehmen, damit im Ernstfall die Versicherung nicht genau das moniert. ----Aber die finden ja immer irgend etwas, um nicht zahlen zu müssen. :lol: :lol: :lol:
Electronic2017
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Sa, 14.01.17, 19:25

Hallo Zusammen,

ich bin durch Zufall auf diesen Beitrag gestoßen.
Was mich neben der Frage des Einschaltstrom Begrenzers brennend interessiert ist,
wie sieht die Berechnung für die maximale Anzahl von LED Treibern hinter einem Leitungsschutzschalter aus?
Die meisten Haushalte haben die Leuchten Stromkreise mit einem Typ B LS mit 10A abgesichert (ältere Häuser mit 16A).
Wenn ich nun je nach LED Treiber den max. Stromverbrauch ausrechne, kann ich schon Rückschlüsse ziehen ob es passt.
Ich werde aber den 10A Automat nie mit 10A belasten können, da er durch das erhitzen des Bi-Metalls auslöst.
Zudem muss die B-Charakteristik geprüft werden, um ein Auslösen bei einem hohen Einschaltstrom auszuschließen.
Ich habe einen guten Ansatz von Osram gefunden, komme aber nicht auf die gleichen Werte.

https://www.osram.de/osram_de/news-und- ... /index.jsp

Es gibt zu LED's und dieser Thematik fast keine Fachliteratur.
Kann mir hier jemand weiter helfen?

Danke Grüße
Electronic
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Beatbuzzer
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Electronic2017 hat geschrieben: Ich werde aber den 10A Automat nie mit 10A belasten können, da er durch das erhitzen des Bi-Metalls auslöst.
Das kannst Du sehr wohl, denn das ist der Nennstrom. Die Kurve der Auslösecharakteristik fängt erst beim 1,13 fachen Nennstrom an.
Für die magnetische Schnellauslösung gehts für das Zeitfenster eines Netzteil-Einschaltstromes für B beim 3 fachen Nennstrom los. Und ja, so ein Automat ist schnell ausgelöst. Selbst ein winziges Puls-Netzteil mit 30W haut bei jedem Kaltstart zuverlässig auch einen 2A C Automaten raus.
Da hilft nur, dass man die Beleuchtung an einer Sicherung für gewöhnlich ja nicht alle gleichzeitig einschaltet.
wildwuchs
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Mi, 01.09.21, 12:32

Thread vier Jahre alt aber mein Problem dürfte ihm entsprechen.

Habe ein Meanwell LPV-100-12, Strom 0-8,5A, Einschaltstromstoß 75A. Hatte keine Ahnung von Einschaltstromstößen .. entsprechend sind mir zwei Markenserienschalter durchgebrannt. Nach Lesen hiesieger Forenbeiträge scheint der Einschaltstromstoß die Ursach zu sein und ich möchte ihn in der Schalterdose (220v, mit üppig Platz) vor dem Netzteil begrenzen.

Möglicherweise funktioniert das dauerhaft einem NTCs oder ein Impulskondensator (z.B. FKP1-400 47N). Mir fehlen die Fachkenntnisse der Dimensionierung. Wer hilft mir?

Grüße wildwuchs
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